Monthly Archives: April 2008

Fuji-Q oder der mutige Roland

Tja, meine Mitbewohner haben mich einfach mitgeschleift in einen der beliebtesten Amusement-Parks Japans. Und da ich das Ziel der Reise erst wusste, als wir schon da waren und die Tickets gekauft hatten, habe ich eben doch meine “No rollercoasters” Politik mal über’n Haufen geworfen…

Angefangen haben wir mit “Pizza-La“, was schon einmal ein guter Einstieg war, da auch hier (obwohl es im Video natürlich harmlos aussieht) schon ziemliche Geschwindigkeiten und Fliehkräfte entstehen:

Weiter ging es dann mit “The king of coasters: FUJIYAMA“, zu seiner Eröffnung 1996 die größte und längste Achterbahn der Welt – seeeeehr geil:

Nach etwa eineinhalb Stunden Anstehen (kein Witz) waren wir dann auch endlich für den Kick des Tages an der Reihe: “Dodonpa“, eigentlich keine echte Achterbahn, sondern eine Demonstration geradezu lächerlich hoher Beschleunigung, die bis heute nicht überboten wurde => Weltrekord. Genaugenommen wird man in nur 2 Sekunden auf die Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h gebracht (selbstverständlich auch zeitweise Weltrekord und momentan immernoch auf Platz 3), damit über einen Hügel geschossen, eine langgezogene Kurve entlang und dann (festhalten) senkrecht etwa 40 Meter in die Höhe und praktisch sofort wieder senkrecht runter… Das Ganze wird dann mit einer “gemütlichen” Geradeausfahrt mit Blick auf den Mt. Fuji abgerundet:

Au weia… Danach musste ich erst mal was essen 😉 Als wir uns dann gestärkt haben, sind wir noch a Bisserl rumspaziert, haben uns eine sehr, sehr skurrile Horror-Show-Geisterbahn angeschaut (von der ich leider nicht wirklich was verstanden habe, aber egal) und sind noch im Tsunami-Generator “Great Zaboon!” gefahren, von dem ich jetzt kein Video habe, sondern eine kleine (selbst gemachte) Slideshow:

Als dann ein paar der Anderen dann auch noch auf den “Eejanaika” gegangen sind, habe ich stattdessen doch lieber ein paar Fotos für Euch gemacht – das Ding war mir einfach ZU krass…

Neuer Effekt für Bilder

Nur so am Rande: Ich habe mal testweise den verdammt schicken Lightview Effekt von Nick Stakenburg installiert. Bitte gebt mir Feedback, ob der Effekt gefällt und gescheit funktioniert. Zugegeben, bei mir unter Safari ist der ausgegraute Hintergrund nicht richtig gesetzt, aber mich würde hauptsächlich mein Kundenstamm (wohl größtenteils Windows-Nutzer) interessieren. 🙂

Inokashira Kouen

Da ich ja gestern so schön brav früh ins Bett gegangen bin (und das an einem SAMSTAG ABEND in TOKYO…), bin ich natürlich heute Morgen recht früh aufgewacht und aktiv geworden. Erstmal Wäsche waschen, Zimmer aufräumen und dann los geht’s.

Heute stand der Inokashira Park auf meiner Things 2 Do List. Der wurde mir von einem Kollegen empfohlen, dass es da a) sehr schön sein soll und b) die Japaner dort etwas weniger verklemmt sind. Stimmt sogar, ich habe sogar drei oder vier Pärchen gesehen, die sich in der Öffentlichkeit geküsst haben! Dazu muss man anmerken, dass Japaner nie, nie, nie, nie, niemals in der Öffentlichkeit Zärtlichkeiten zeigen – da ist Händchen halten schon das Höchste!

Wirklich ein sehr, sehr schöner Park mit einem völlig mit Tretbooten überfüllten See, vielen Artisten, Straßenmusikanten, Pärchen (*seufz*), einem kleinen Tempel in der Mitte, Männern, die ungelogen 20-25 Dackel auf einmal Gassi führen, Badmintonspielern, Joggern, Radlern, dummen Touristen wie mir mit Kamera etc., wo man an einem schönen sonnigen Tag gerne seine Zeit verbringt.

Den restlichen Tag habe ich dann an einem noch geheimen Ort verbracht. Wer eine Ahnung hat, wo das gewesen sein könnte, kann mir gerne eine Mail schreiben, soll sich aber hüten, hier irgendwelche Anmerkungen dazu fallen zu lassen – das meine ich wirklich Ernst! Es soll nämlich eine Überraschung für Claudy werden, also wäre ich jedem Spoiler ernsthaft sauer/beleidigt!

Genug der harten Worte, hier sind die Bilder:

Es ist soweit…

… oh meine Güte! Gestern habe ich mit meiner Mitbewohnerin Sayuri einen ganz faulen “zu Hause bleiben und Kung Fu Hustle im Fernsehen schaun” Abend gemacht. Stilecht haben wir uns dazu eine Pizza bestellt. Und jetzt kommen wir zum Grund des Einleitungssatzes: Sie war zwar lecker, aber irgendwie fand ich Pizza … öde …

Aaargh! Wie soll das nur werden, wenn ich wieder zurück bin, wenn ich schon keine Pizza mehr mag? 😉

Hilfe…

Auch mal nett…

nachdem ich jetzt schon über 8 Wochen ohne Haarschnitt ausgekommen bin und meine Frisur langsam aber sicher einem internationalen Krisengebiet gleicht, bin ich vorhin mal beim Billig-Friseur reingewuselt, an dem ich auf dem Nachhauseweg immer vorbeikomme. 1000 Yen und 10 Minuten später war schon Alles vorbei und meine Haare endlich ein wenig kürzer. Richtig angenehm! Nur die Tatsache, dass ich mit einer Art Staubsauger die Haare gewaschen gekriegt habe, bringt mich auch Stunden danach noch etwas zum Schmunzeln 😉

BROT

Wie ich ja bereits angedeutet habe, habe ich aufgrund eines langen Entzuges einen ziemlich starken Appetit auf Brot entwickelt. Leider gibt’s hier in der Regel nur Weißbrot, Toast und noch mehr Toast.

Ein Kollege hat mir aber netterweise einen Tipp gegeben und so bin ich heute nach der Arbeit losgezogen, habe Deutsches Brot und Wurst gekauft für eine zünftige Brotzeit. Dafür habe ich ein kleines Vermögen ausgegeben (von dem Geld könnte ich sonst 3-4 Tage leben, aber das war’s wert, ehrlich) und jetzt ist schon wieder Alles weg, da ich meine Mitbewohner die Bayerische Gastlichkeit spüren lassen wollte.

Außerdem ist dieser Beitrag eine super Gelegenheit, mal das neue Bilder-Plugin, das jetzt in WordPress fest integriert ist, zu testen…

Nakano / irgendwo im Armenviertel hinter Kabukichou

Am Sonntag Morgen Mittag bin ich also übermüdet und mit kratziger Stimme wach geworden, bin aber tapfer aufgestanden und nach Nakano gefahren. Das ist ein kleiner Stadtbezirk, der für seine leicht … anderen Leute, die etwas entspanntere Atmosphäre und seine vielen Buchläden bekannt ist. Hier habe ich mich dann auf die Suche nach einem kleinen Artbook für meine Süße gemacht und bin sogar fündig geworden! Wenn ich jetzt noch gelernt habe, wie ich mit dem Typ in der Post sprechen kann, kann ich es sogar verschicken – aber das ist ein anderes Thema 😉

Als ich mich gerade zu meinem nächsten Wegpunkt für den Tag war, wurde ich von Shiho und einer Meute ihrer Freunde angerufen, dass heute einer von zwei Tagen im Jahr ist, wo im Armenviertel direkt hinter Kabukichou in Shinjuku-ku einer der seltsamsten Flohmärkte überhaupt stattfindet. Also habe ich meine Wegpunkte gelöscht und bin eben da hin gefahren. Und es hat sich gelohnt!

Von Männern in Froschkostümen, riesengroßen und seltsam gefärbten Katzen, grüner Zuckerwatte, einem original Nintendo Famicom, lauter Plunder, Tinnef und Nippes über Horrorfilm-mäßige Gassen, hunderte oder tausende von Leuten bis hin zu den wohl ungelogen kleinsten Bars der Welt (es passen ca. zweieinhalb Menschen – inklusive Barkeeper – rein) gab es wirklich verdammt viel zu sehen und erleben. Sehr interessant war auch, das sonst sehr ordentliche und relativ saubere Tokyo mal von einer ganz anderen Seite zu sehen!

Samstag, 19. April

Als braver und ordentlicher Mitbewohner bin ich am Samstag schon um acht Uhr aufgestanden, habe Wäsche gewaschen, mein Zimmer geputzt, aufgeräumt und Honigtoast gegessen. Dazu möchte ich anmerken, dass:

  1. Ich tatsächlich fast acht Wochen lang nicht ein einziges Stück Brot gegessen habe und einen regelrechten Heißhunger darauf entwickelt habe, weswegen ich die nächste Bäckerei gestürmt habe und die aber nur labberiges Toast hatten – aber besser als gar nichts…
  2. Honig hier ziemlich schwer zu finden ist
  3. Honig hier lächerlich teuer ist
  4. In meiner Wohnung in der Küche zwar die geilsten großen Messer (zum Schneiden von rohem Fisch) überhaupt vorhanden sind, aber kein einziges Brotmesser…

Naja, jedenfalls bin ich dann mittags mit Viktor nach Shinjuku zu Yodobashi Kamera gefahren, einem riesigen, verrückten, vollgestopften, etwa mit “Media Markt auf Speed, Klebstoff und Ahoy Brause” vergleichbarem Laden, um für ihn ein Handy aufzutreiben. Nachdem wir uns in Rekordzeit – etwa eineinhalb Stunden – über die etwa vier Milliarden Tarife, Optionen und andere Nebensächlichkeiten schlau gemacht haben, ohne auch nur ansatzweise etwas davon zu verstehen, hat er tatsächlich eine sogar sehr gut Englisch sprechende Verkäuferin geangelt, die dann mit ihm in der absoluten Spitzenzeit von nur zwei Stunden einen Vertrag, ein Handy und eine SIM Karte klargemacht hat. Diese Spitzenzeit ist übrigens nicht ironisch gemeint! Bei meinem Handy hat das deutlich länger gedauert und ich hatte keinen des Englischen mächtigen Verkäufer…

Jedenfalls war Viktor glücklich, ich um mindestens drei Wochen gealtert an nur einem Nachmittag und das Wetter erstaunlich unbeständig: Sonne, knalleheiß, auf einmal Regen und Sturm, wieder Sonne… Da ich schon ungefähr wusste, wie sich der Abend entwickeln würde, bin ich dann erst einmal wieder nach Hause gefahren und habe mich ausgeruht.

20:00 Uhr: Farewell-Party von Rob, einem guten Freund von meinem Mitbewohner Vinay. Angefangen hat die Nacht also in einer zwei-Stunden-Bar irgendwo in Ebisu, die wir dann definitv länger als die bezahlten zwei Stunden belegt haben.

22:30 Uhr: Als wir dann aber doch da rausgeflogen sind, sind wir eben in’s “Hub” gegangen – das ist eine English Pub Kette, die hier in Tokyo sehr beliebt ist. Dort war unser Trupp von immer noch knapp 15 Leuten zuerst sehr im Weg, da das Pub eigentlich auch ohne uns schon voll war, aber wen stört das schon? 😉

ca. 02:00 Uhr: Da die letzten Züge schon längst weg waren und sich unser Party Trupp doch so langsam aber sicher vereinzelt verdünnisiert hat, bin ich zusammen mit Yarif und Vinay von Ebisu nach Shibuya spaziert. Auf dieser Wanderung haben wir absichtlich Gaijin-Power eingesetzt und schön laut geredet, was die braven Mitarbeiter vom Club Air, an dem wir vorbeigekommen sind, an den Rande des Harakiri gebracht haben dürfte. Besagter Club ist nämlich mitten in einem Wohngebiet und dennoch gleichzeitig einer der angesagtesten Clubs der Stadt. Dass die Anwohner regelmässig wegen Ruhestörung klagen und die Clubbetreiber irgendwie reagieren mussten, dürfte klar sein. Darum stehen in dem ganzen Wohngebiet am Wochenende Typen rum, die alle Spaziergänger, die zu laut reden, anlabern, dass sie, wenn sie zum Club Air gehen oder von da kommen, doch bitte leise reden sollen, um die Anwohner nicht zu stören. Meine beiden Kameraden haben dann nur unwirsch und ziemlich laut gesagt, dass wir nicht in den Club gehen und er uns in Ruhe lassen soll 😉

02:30 Uhr: Ankunft in Shibuya. Kurzentschlossen sind wir in eines der Hochhäuser – irgendein Hotel – direkt neben der bekannten riesen-Kreuzung von Shibuya gegangen, das gespenstisch menschenleer war und sind in den zwanzigsten Stock gefahren, wo wir uns dann auf die Fensterbank gehockt, geratscht und die nächtliche Skyline angeschaut haben. Leider hat uns nach etwa einer halben Stunde ein Mensch von der Security gefunden und uns in gebrochenem Englisch gebeten, doch bitte wieder zu gehen. Da wir aber die Aussicht genießen wollten, wollten wir mit dem verglasten Fahrstuhl wieder runterfahren und der Typ hat ohne eine Miene zu verziehen drei andere Aufzüge wieder weggeschickt, bis endlich der gewünschte da war… Und da soll noch mal einer sagen, dass Service in der heutigen Zeit nicht mehr groß geschrieben wird!

03:00 Uhr: Hunger! Als wir das Hotel auf dem absolut nicht dafür gedachten Weg – ein Lieferantenausgang irgendwo auf das Parkdeck – verlassen und uns irgendwo halb verlaufen haben, sind wir dann halb verhungert in ein Sushirestaurant gestürmt. Verrückt, ich dachte immer, dass der Titel “a city that never sleeps” zu New York gehört. Bullshit! New York hat ihn gar nicht verdient: 😀 Dieses Restaurant war – um wohlgemerkt kurz vor halb vier – bis auf den letzten Platz voll mit Leuten! Für den geradezu winzigen Preis von etwa 1200 Yen (nicht mal 8 Euro) habe ich so unglaublich viel Sushi gegessen, weil es einfach verboten gut war. Zusätzlich habe ich noch ein paar exotische Dinge wie Anko-Karaage (Anglerfisch-nuggets, ganz recht: dieser hässliche Tiefseefisch mit der leuchtenden Köderangel vor seinem Maul), Oktopus-Nigiri, die gebratene Wirbelsäule eines Aals und vielerlei andere für den Europäer sehr widerlich klingende – aber tatsächlich sehr leckere – Dinge gegessen.

05:00 Uhr: Noch ‘ne Bar. Und was für eine! Etwa 12 Quadratmeter groß, mit rotem Samt ausgekleidet und mit etwas mehr als 4 Hirschgeweihen, 38 Lampen und 2 Kronleuchtern bestückt und natürlich mit mehr Leuten vollgestopft, als man in ein durchschnittliches Mittelstrecken-Flugzeug hineinbekommt…

06:00 Uhr: Shibuya Bahnhof. Vinay und ich sitzen völlig zerstört auf dem Bahnsteig, warten auf die Yamanote, die uns nach Hause tragen soll und singen zur allgemeinen Belustigung schön laut “New York, New York” im Duett. Allgemeine Belustigung ist auch hier wörtlich zu verstehen, da um die Zeit schon wieder hunderte von Menschen auf dem Bahnsteig sind – aber irgendwie waren Vinay und ich noch die normalsten davon?!

06:30 Uhr: Endlich mein Bett Futon! Mit immer noch böse überfressenem Magen, kaputter Stimme und sehr, sehr lustigen Erinnerungen falle ich in einen komatösen Schlaf. Und dabei wollte ich eigentlich um 09:00 Uhr aufstehen…

okiiPod

okii heißt groß und iPod heißt iPod. Zusammengeschoben ergibt das also okiiPod. Aber was will ich Euch damit sagen?

Richtig geraten, die Dinger sind hier etwas günstiger als in Deutschland und da mir mein alter, rosafarbener, batterieschwacher und nur vier Gigabyte fassender iPod kurzerhand verreckt ist, habe ich mir einen schicken, silbernen, neuen, geilen, krassen, mit 160 GB ausgestatteten iPod Classic ergattert 😉

Finally: Karaoke

Jetzt bin ich schon seit sieben Wochen hier und habe es tatsächlich noch nicht zum Karaoke geschafft! Was bin ich nur für ein schlechter Tourist?

Nach Urahara wollte ich mich eigentlich am späteren Nachmittag mit einem anderen Kollegen im Tokyo Museum treffen und danach evtl. noch in ein Izakaya gehen. Irgendwie ist die Aktion dann aber doch geplatzt und ich bin relativ ziellos auf der Suche nach guten Bildern durch Kabukichou gewandert. Als das mir dann aber auch zu langweilig geworden ist, bin ich kurzentschlossen nach Roppongi gefahren und ins Kino gegangen. Jedenfalls war ich gerade auf den Nachhauseweg, als ich einen Anruf gekriegt habe, dass ich gefälligst zum Karaoke anzutanzen zu habe. Als gut, dann bin ich eben in Shibuya aus dem Zug geplöppt und habe mir die halbe Nacht lang die Seele aus dem Leib gequäkt: